Bei der Art der Tätigkeit in London handelt es sich weitgehend um die Pflege behinderter Personen. Die Bandbreite der Behinderungen reicht dabei von krankheits-, alters- oder unfallbedingter Schwerstbehinderung und hundertprozentiger Pflegebedürftigkeit bis hin zur Unterstützung leichtbehinderter Fälle und ihrer Familien im alltäglichen Leben. Manchmal beinhaltet das auch haushälterische Aufgaben, wie putzen und kochen.
Das Hauptziel ist es, ein weitgehend "normales", unabhängiges und lebenswertes Leben zu ermöglichen.
Für gewöhnlich arbeitet man mit einem einzelnen Betreuten und baut eine eins zu eins Beziehung auf. In seltenen Fällen kümmern sich bis zu zwei Praktikanten gleichzeitig um einen Betreuten.
In meinem Fall kümmere ich mich um einen körperlich schwerstbehinderten Mann. Wir sind insgesamt vier Praktikanten und kümmern uns in Zweierteams um ihn.
Die Arbeitszeiten variieren von Projekt zu Projekt. In der Regel handelt es sich jedoch um 24-Stunden-Schichten mit einer Pause von sechs Stunden. Wochenend- und Nachtschichten sind häufig notwendig, da sich die Betreuten oft nicht selbst im Bett herumdrehen können und dies zu Wundliegen u. ä. führen kann.
Oft arbeitet man einen Tag und hat dann bis zu drei Tage am Stück frei, arbeitet anschließend drei Tage und hat zwei Tage frei. Es ist von dem jeweiligen Projekt und der Anzahl der Praktikanten abhängig, jedoch arbeitet man in der Regel durchschnittlich 2,5 bis 3,5 Tage in der Woche.
In meinem Fall arbeite ich 2 bis 3 Tage am Stück und habe anschließend 2-3 Tage frei. Ich arbeite jedes zweite Wochenende von Freitagmorgen bis Montagmorgen.
Die Unterkunft wird möbliert gestellt und befindet sich in der Regel nahe der Wohnung des Betreuten, außerhalb des Stadtzentrums. Allerdings ist die Anbindung an das dichte öffentliche Verkehrsnetz gegeben, so dass es nicht länger als eine halbe Stunde bis in die Stadtmitte ist.
Man hat sein eigenes Zimmer und teilt sich Küche, Bad und Wohnzimmer mit bis zu drei Mitbewohnern. Gewöhnlich wohnen die Praktikanten eines Projekts zusammen.
Die Wohnungen sind durchschnittlich groß und vom Büro aus in zu Fuß erreichbarer Entfernung. Normalerweise sind die Wohnungen großzügig mit Herd, Waschmaschine, Kühlschrank, Mikrowelle, Fernseher und einer Stereoanlage ausgestattet. CD-Player müssen selbst mitgebracht werden.
Es ist nicht erlaubt, Gäste über Nacht zu beherbergen. Ansonsten werden soziale Kontakte aber gern gesehen.
Für die Arbeit hier sind Erfahrungen im Pflegebereich nicht Voraussetzung, jedoch von Vorteil. Es handelt sich im Normalfall nicht um anspruchsvolle körperliche Arbeit, doch wird man häufig mit Dingen konfrontiert, auf die man möglicherweise nicht gefasst ist. Das ist psychisch oft belastend, professionelle Hilfe wird dafür nicht angeboten. Um die körperliche Belastung zu minimieren, werden Hilfsmittel, z.B. Hebekräne, verwendet, in deren Gebrauch man während einer eintägigen Rückenschulung eingewiesen wird, welche vor Beginn der Arbeit stattfindet. Dort wird man auch auf Haltungsfehler aufmerksam gemacht und erfährt, wie man sie vermeiden kann.
Bevor man allerdings allein mit dem/der Betreuten arbeitet, hat man Gelegenheit, den anderen Praktikanten für 2-3 Tage auf die Finger zu schauen. Gewöhnlich können die Betreuten auch selbst klare Anweisungen geben. Erwünscht ist ein normaler Führerschein der Klasse B, da man, häufig gemeinsam mit dem Betreuten, mit dessen Auto Besorgungen machen muß. Um den kontinentalen Fahrern die Umgewöhnung von Rechts- auf Linksverkehr zu erleichtern werden Fahrstunden angeboten.
Aufgrund der psychischen Belastung ist ein stabiler Gesundheitszustand wichtig. Unbedingt erforderlich sind Grundkenntnisse in Englisch.
Da man sich in einem fremden Land befindet, fällt es den Praktikanten, unabhängig vom Alter, oft schwer, sich zurechtzufinden. Ein gewisses Organisationstalent, Offenheit und Selbständigkeit sind dann sehr hilfreich. Da man aber in WGs lebt, sind soziale Kontakte schnell geschlossen.
London bietet naturgemäß eine Vielzahl an Freizeitaktivitäten. Die Möglichkeiten erstrecken sich von den kulturellen Schätzen, wie den zahllosen Museen und Galerien, den architektonischen Meisterwerken und historischen Bauten, den atmosphärisch verdichteten Künstlervierteln bis hin zu den touristischen Attraktionen, Kinos, Konzerten, Musicals, Theatern und den vielen wunderschönen Parks. London bietet, was viele Großstädte bieten, in einer ungewohnt großen Vielfalt und Zahl. Doch es sind nicht nur diese sozusagen feststehenden Attraktionen, die den besonderen Charme Londons ausmachen. Auch die Tatsache, daß es sich hier um einen riesigen Schmelztiegel der vielen unterschiedlichen Kulturen des Commonwealth handelt, die dieser Stadt täglich ein neues Gesicht geben, trägt viel zu dem besonderen Charakter, der speziellen Atmosphäre bei. London ist eine Metropole der Superlative, mit all ihrem Glamour, doch auch mit all ihren Schattenseiten. So gibt es hier auch wesentlich mehr "schräge Vögel" als in anderen Großstädten.
Die Anreise bleibt dem Praktikanten selbst überlassen. Sie kann per Bus, Zug, Schiff oder Flugzeug erfolgen.
Die Praktikanten bekommen neben der Unterkunft auch ein wöchentliches Gehalt von 60 Pfund.
